Millefiori: tausend Blumen in Glas
Millefiori, italienisch für „tausend Blumen“, gehört zu den bekanntesten Techniken des Muranoglases. Wer ein Millefiori-Stück genau betrachtet, sieht Dutzende, manchmal Hunderte winziger Blüten und Sterne, die dicht an dicht im Glas sitzen, jede für sich vollständig. Die Idee ist mehr als zweitausend Jahre alt und wird auf Murano bis heute von Hand ausgeführt. Dieser Ratgeber erklärt, was Millefiori-Glas ist, was das Wort bedeutet, wie es hergestellt wird, worin es sich von Murrine unterscheidet und wie Sie echtes Murano-Millefiori von einer Kopie unterscheiden.
Was ist Millefiori-Glas?
Millefiori-Glas ist Glas, das mit dünnen Scheiben gemusterter Glasstäbe verziert ist, den sogenannten Murrine, die nebeneinandergelegt und miteinander verschmolzen werden, sodass die Oberfläche von kleinen Blüten, Sternen und Kreisen bedeckt ist. Jede Scheibe trägt ein vollständiges Motiv, weil das Muster durch die ganze Länge des Stabes läuft, von dem sie abgeschnitten wurde. Da die Scheiben von Hand gesetzt werden, gleicht kein Stück ganz dem anderen.
Was bedeutet Millefiori?
Das Wort verbindet zwei italienische Wörter: mille, tausend, und fiori, Blumen. Ausgesprochen wird es etwa „mille-fjóri“. Bekannt wurde der Name merkwürdigerweise außerhalb Italiens: Im Englischen erscheint er 1849 in Apsley Pellatts Buch Curiosities of Glass Making, zu einer Zeit, als die Technik in ganz Europa wiederentdeckt wurde. Auf Murano sprechen die Glasmacher eher von Murrine, also von den Scheiben selbst.
Vom antiken Rom nach Murano: eine kurze Geschichte
Schon die Glasmacher der hellenistischen und römischen Welt fertigten vor mehr als zweitausend Jahren Mosaikglas, Schalen aus Scheiben gemusterter Stäbe. Nach dem Ende Roms geriet das Verfahren im Westen fast völlig in Vergessenheit.
Auf Murano kehrte es zurück. In den 1480er-Jahren schuf Marietta Barovier, Tochter des großen Angelo Barovier, den Rosetta-Stab mit seinen sternförmigen Farbschichten, und 1487 erhielt sie das Privileg, dafür einen eigenen kleinen Ofen zu betreiben. Rosetta-Perlen gingen jahrhundertelang als Handelsware um die Welt.
Das Millefiori, wie wir es heute kennen, entstand im neunzehnten Jahrhundert. Giovanni Battista Franchini und sein Sohn Giacomo zogen Stäbe von erstaunlicher Feinheit, manche mit winzigen Porträts. 1845 zeigte Pietro Bigaglia auf einer Ausstellung in Wien die ersten datierten Millefiori-Briefbeschwerer, und binnen ein, zwei Jahren stellten die französischen Manufakturen Baccarat, Saint-Louis und Clichy ihre eigenen her. In den 1870er-Jahren gelang es Vincenzo Moretti im Unternehmen von Salviati, das Mosaikglas des antiken Rom nachzubilden; 1878 wurde es in Paris gezeigt. Um 1900 überzogen die Fratelli Toso ganze Vasen mit Blüten. Seitdem haben die Glashütten der Insel nie aufgehört, Millefiori zu machen.
Wie Millefiori hergestellt wird
- Die erste Schicht. Ein kleiner Posten farbiges Glas wird in eine stern- oder blütenförmige Form gedrückt.
- Der Aufbau des Musters. Das Glas wird in eine zweite Farbe getaucht und erneut geformt, dann in eine dritte, und so weiter. Jede Schicht wird zu einem Ring der fertigen Blüte.
- Das Ziehen des Stabes. Zwei Glasmacher befestigen an jedem Ende des heißen Zylinders ein Eisen und gehen auseinander; so ziehen sie ihn zu einem Stab aus, dünn wie ein Bleistift und viele Meter lang. Das Muster schrumpft, bleibt aber auf der ganzen Länge erhalten.
- Das Schneiden. Ist der Stab erkaltet, wird er in wenige Millimeter dicke Scheiben geschnitten. Das sind die Murrine.
- Setzen und Verschmelzen. Die Scheiben werden einzeln von Hand auf eine Platte gesetzt und erhitzt, bis sie zu einer einzigen Fläche verschmelzen. Diese wird dann auf die Glasmacherpfeife gerollt und zu einer Vase geblasen, zu einer Schale gesenkt oder für einen Briefbeschwerer unter einer Kuppel aus klarem Glas eingeschlossen. Für Perlen und Anhänger werden die Murrine in kleinen Formen verschmolzen oder an der Flamme auf einen Kern aus heißem Glas gesetzt.
Es ist langsame Arbeit, und ein einziger Fehler in der Komposition lässt sich nicht mehr korrigieren, sobald das Glas verschmolzen ist. Über verwandte Verfahren lesen Sie mehr auf unserer Seite zu den Techniken.
Millefiori und Murrine: Was ist der Unterschied?
Eine Murrina (Mehrzahl Murrine) ist eine einzelne Scheibe eines gemusterten Stabes. Das Muster kann alles sein: eine Blüte, ein Stern, eine Spirale, ein Gesicht. Millefiori ist das, was man sieht, wenn viele Murrine mit Blütenmuster dicht nebeneinandersitzen. Anders gesagt: Jedes Millefiori besteht aus Murrine, aber nicht jede Arbeit mit Murrine ist Millefiori. Eine Schale aus großen abstrakten Murrine, jede anders, ist Murrine-Glas, kein Millefiori.
Millefiori heute: Schmuck, Tiere, Briefbeschwerer und Vasen
- Schmuck. Anhänger, Ohrringe, Armbänder und Perlen, bei denen wenige Murrine genügen, um ein kleines, leuchtendes Objekt zu schaffen.
- Miniaturtiere und kleine Skulpturen. Winzige Geschöpfe, deren Körper mit Blüten bedeckt sind, eine Spezialität von Murano.
- Briefbeschwerer. Die klassische Form: ein Blütenteppich unter einer Kuppel aus klarem Glas, die ihn vergrößert.
- Vasen, Schalen und Teller. Größere Flächen, auf denen sich das Mosaik ganz entfalten kann.
Echtes Murano-Millefiori erkennen
Millefiori gehört zu den am häufigsten kopierten Arten von Muranoglas, und vieles, was unter diesem Namen verkauft wird, ist Massenware von weit außerhalb Venedigs. Darauf sollten Sie achten:
- Der Herkunftsnachweis. Wer echte Stücke verkauft, kann die Glashütte nennen und ein Echtheitszertifikat vorlegen.
- Die Murrine selbst. Bei guter Arbeit ist jede Blüte scharf gezeichnet, mit klaren Umrissen und mehreren deutlich getrennten Farbringen. Bei billigen Kopien sind die Blüten verschwommen oder verschmiert und haben nur eine oder zwei Farben.
- Die Anordnung. Von Hand gesetzte Murrine unterscheiden sich leicht in Größe und Abstand, und ihre Ränder verformen sich dort, wo sie mit den Nachbarn verschmolzen sind. Ein vollkommen regelmäßiges Raster spricht für eine Maschine.
- Die Verarbeitung. Ränder und Rückseiten sind glatt geschliffen und poliert. Raue Nähte, scharfe Kanten und ein Gefühl wie Kunststoff sind Warnzeichen.
- Wortwahl und Preis. „Murano-Stil“ heißt, dass das Stück nicht von Murano stammt, und Handarbeit ist nie sehr billig.
Die allgemeinen Merkmale, die für jedes Stück gelten, finden Sie in unserem Ratgeber Echtes Muranoglas erkennen.
Ist Millefiori-Glas wertvoll?
Das hängt davon ab, worum es sich handelt. Am wertvollsten sind die französischen und venezianischen Briefbeschwerer der Jahre 1845 bis 1860, für die Sammler Tausende Euro zahlen, wenn sie selten und gut erhalten sind. Auch Vasen aus Murano aus der Zeit um 1900 sind gesucht. Zeitgenössisches Murano-Millefiori kostet, was an Arbeit darin steckt: ein Anhänger oder ein Paar Ohrringe einige Dutzend Euro, eine Schale oder Vase einige Hundert. Massenhaft hergestellte Imitationen haben keinerlei Sammlerwert.
Millefiori-Glas pflegen
Stauben Sie es mit einem weichen, trockenen oder leicht feuchten Tuch ab und waschen Sie es von Hand in lauwarmem Wasser mit etwas mildem Spülmittel. Millefiori gehört nicht in die Spülmaschine und verträgt weder scharfe Chemikalien noch plötzliche Temperaturwechsel. Bewahren Sie Schmuck so auf, dass die Stücke nicht aneinanderschlagen. Mehr dazu in unserem Pflegeratgeber.
Millefiori-Glas kaufen: Stücke aus unserer Kollektion
Wenn Sie ein eigenes Stück möchten, sind dies die Millefiori- und Murrine-Stücke unserer Kollektion, jedes von Hand gefertigt und mit Echtheitszertifikat versandt:
- Millefiori-Tiere, je 220 €: eine Schildkröte, ein Elefant, ein Schwan, eine Schnecke, ein Hase, ein Hahn, ein Eichhörnchen und ein Frosch mit Krone.
- Der Murrina-Becher, 1.190 €: ein Trinkglas, das ganz aus Murrine besteht.
- Schalen und Tafelaufsätze mit Murrine, ab 150 €: etwa die Schale Cascata, die Schale Coriandoli und der Tafelaufsatz Fondamenta.
Der Versand ist versichert und in der ganzen Europäischen Union kostenlos. Entdecken Sie alle unsere Millefiori-Tiere und Schalen.
Häufige Fragen
Was bedeutet Millefiori?
Es ist italienisch für „tausend Blumen“ und bezeichnet Glas, das mit kleinen Blütenmustern aus Scheiben farbiger Glasstäbe bedeckt ist.
Was ist der Unterschied zwischen Millefiori und Murrine?
Murrine sind die einzelnen gemusterten Scheiben. Millefiori ist die Wirkung vieler Murrine mit Blütenmuster, die in einem Stück dicht nebeneinandersitzen.
Stammt alles Millefiori-Glas aus Murano?
Nein. Die Technik wird auch anderswo angewandt, und sehr viel Millefiori entsteht industriell außerhalb Italiens. Nur Stücke, die auf der Insel gefertigt wurden, sind Murano-Millefiori; deshalb sollte die Herkunft genannt und belegt sein.
Ist Millefiori-Glas wertvoll?
Antike Briefbeschwerer und Murano-Vasen aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert können wertvoll sein. Zeitgenössische handgefertigte Stücke sind erschwinglich und werden gekauft, um getragen und genossen zu werden.
Wie alt ist Millefiori?
Die zugrunde liegende Technik, das Mosaikglas, ist mehr als zweitausend Jahre alt. Das heutige Millefiori geht auf die Wiederentdeckung auf Murano im neunzehnten Jahrhundert zurück.
Entdecken Sie die Kunst der tausend Blumen
Vom Ohrringpaar bis zum kleinen, mit Blüten bedeckten Glastier: Millefiori ist Murano von seiner heitersten Seite. Jedes Stück, das wir verkaufen, stammt von Glashütten auf Murano und wird mit einem von uns ausgestellten Echtheitszertifikat geliefert. Entdecken Sie unsere Millefiori-Tiere und unsere Kollektionen aus Muranoglas.
Die Stimmungsfotos in diesem Artikel sind mit künstlicher Intelligenz erstellte Illustrationen; die Produktfotos zeigen echte Stücke aus unserer Kollektion.
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Jedes Stück wird von Meisterhandwerkern auf der Insel Murano, Venedig, geschaffen — und mit einem Echtheitszertifikat geliefert.
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