Was ist Muranoglas?
Muranoglas ist Glas, das von Hand auf Murano gefertigt wird, einer kleinen Inselgruppe in der Lagune von Venedig, auf der die venezianischen Glasmacher seit 1291 arbeiten. Es wird am Ofen geblasen und geformt, Stück für Stück, mit Techniken, die auf der Insel seit mehr als sieben Jahrhunderten weitergegeben werden. Der Name bezeichnet einen Ort und eine Arbeitsweise, keinen Stil: Ein klarer Kelch, ein Millefiori-Briefbeschwerer und ein drei Meter hoher Kronleuchter sind alle Muranoglas, wenn sie dort entstanden sind.
Dieser Ratgeber erklärt, was das Wort bedeutet, woraus das Glas besteht, worin es sich von „venezianischem Glas“ unterscheidet und warum es kostet, was es kostet.
Was bedeutet „Murano“?
Murano ist zuerst ein Ort: sieben kleine, durch Brücken verbundene Inseln, etwa anderthalb Kilometer nördlich von Venedig, mit weniger als fünftausend Einwohnern. Der Name ist sehr alt. Man nimmt an, dass er von Amurianum stammt, einem Viertel der römischen Stadt Altino auf dem Festland, deren Bewohner in der Spätantike in die Lagune flohen und den Namen mitnahmen.
Weil die Insel so lange Glas herstellt, hat das Wort eine zweite Bedeutung bekommen. Wer „ein Murano“, „Murano-Perlen“ oder „ein Murano-Kronleuchter“ sagt, meint Glas von der Insel. „Murano“ auf einem Etikett sollte also nur eines bedeuten: dass das Stück auf Murano gefertigt wurde. Wie wir weiter unten erklären, ist das nicht immer der Fall.
Warum die Glasmacher auf Murano sind
In Venedig selbst wurde spätestens seit dem zehnten Jahrhundert Glas gemacht. 1291 ordnete die Republik an, die Öfen nach Murano zu verlegen. Als Grund wird meist das Feuer genannt: Venedig war großenteils aus Holz gebaut, und die Öfen brennen Tag und Nacht. Das Handwerk auf einer Insel zu bündeln machte es außerdem leichter, seine Geheimnisse zu hüten.
Die Republik behandelte ihre Glasmacher wie ein strategisches Gut. Die Meister genossen Vorrechte, die kaum ein anderer Handwerker hatte, und ihre Töchter durften in Adelsfamilien einheiraten; im Gegenzug war es ihnen verboten, ihr Wissen ins Ausland zu tragen. Rund dreihundert Jahre lang belieferte Murano die Höfe Europas mit den feinsten Gläsern und Spiegeln, die für Geld zu haben waren. Unsere Geschichte des Muranoglases erzählt den ganzen Weg.
Woraus Muranoglas besteht
Muranoglas ist ein Kalk-Natron-Glas: Quarzsand, Soda, die den Schmelzpunkt senkt, und Kalk, der das Glas beständig macht. Es enthält kein Blei und ist daher kein „Kristall“ im heutigen technischen Sinn. Das berühmte venezianische cristallo, das Angelo Barovier Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts vervollkommnete, war ein Sodaglas, so weit gereinigt, dass es klar wie Bergkristall wurde.
Diese Rezeptur ist entscheidend. Sodaglas bleibt über einen weiten Temperaturbereich weich und gibt dem Glasmacher Zeit, ein Stück zu ziehen, zu kneifen, zu drehen und zu ergänzen, bevor es erstarrt. Diese lange Verarbeitungszeit macht die dünnen Stiele, die aufgesetzten Blüten und die feinen Fäden von Murano erst möglich.
Die Farbe entsteht durch Mineralien, die in das Gemenge eingeschmolzen werden: Kobalt für Blau, Mangan für Amethyst, Kupfer für Grün und Aquamarin, Gold für Rubinrot. Die Farbe ist im Glas, nicht darauf. Unser Ratgeber zu den Farben des Muranoglases und ihrer Bedeutung geht sie einzeln durch.
Wie Muranoglas hergestellt wird
Die Rohstoffe schmelzen über Nacht bei etwa 1.400 °C. Am Morgen nimmt der Glasmacher mit dem Ende einer stählernen Pfeife einen Posten flüssiges Glas auf und beginnt, ihn bei rund 1.000 °C zu bearbeiten; etwa jede Minute hält er ihn wieder in den Ofen, damit er weich bleibt.
Fast nichts geschieht allein. Die traditionelle Mannschaft, die piazza, wird vom maestro geführt; ein servente und ein serventino nehmen Glas auf, bringen Teile und halten das Stück, während er es formt. Die Werkzeuge haben sich in Jahrhunderten kaum verändert: die Glasmacherpfeife, das Hefteisen, eine federnde Zange, die Schere, ein Holzbrett und ein nasser Holzklotz.
Ist das Stück fertig, kommt es in den Kühlofen und kühlt dort langsam ab, über viele Stunden, damit es nicht durch innere Spannungen reißt. Größere Arbeiten wie Kronleuchter entstehen aus Dutzenden einzelner Teile und werden kalt montiert. Unser Artikel über die Techniken der Glasbläserei auf Murano folgt dem Ablauf Schritt für Schritt.
Die Techniken, an denen man es erkennt
Vieles von dem, was man sich unter Muranoglas vorstellt, ist in Wahrheit eine bestimmte Technik, die auf der Insel erfunden oder vervollkommnet wurde:
- Millefiori und Murrine. Scheiben gemusterter Glasstäbe, zu einem Mosaik winziger Blüten verschmolzen. Lesen Sie unseren Ratgeber zu Millefiori-Glas.
- Sommerso. Schichten verschiedener Farben, eine in die andere „versenkt“, in dickem, schwerem Glas.
- Filigrana. Feine weiße oder farbige Fäden im klaren Glas, gerade, gedreht oder zu einem Netz gekreuzt.
- Avventurina. Glas, das von winzigen Kupferkristallen funkelt wie Goldstaub.
- Lattimo. Opakes weißes „Milchglas“, zuerst als Nachahmung von Porzellan hergestellt.
- Blattgold und Blattsilber. Metallblatt, zwischen Glasschichten eingeschlossen, das beim Blasen in Flitter zerreißt.
Muranoglas und venezianisches Glas: Gibt es einen Unterschied?
Meist ist es dasselbe. „Venezianisches Glas“ ist der historische Name für das Glas der Republik Venedig, und seit 1291 wird dieses Glas auf Murano gemacht. Museen und Auktionshäuser sprechen bei älteren Stücken, vor allem aus der Renaissance, eher von venezianischem Glas; Geschäfte und Glashütten sagen heute Muranoglas.
Einen praktischen Unterschied gibt es dennoch. „Venezianisch“ und „venezianischer Stil“ werden auch locker für Glas verwendet, das nur so aussieht und anderswo hergestellt wurde. „Muranoglas“ ist an die Insel gebunden, und die Produktion der Insel ist durch eine Marke geschützt, Vetro Artistico® Murano, 1994 durch ein Gesetz der Region Venetien geschaffen und nur Glashütten vorbehalten, die auf Murano arbeiten. Wenn Ihnen die Herkunft wichtig ist, achten Sie auf Murano, und auf den Nachweis.
Warum ist Muranoglas so teuer?
Wegen der Zeit, des Könnens und des Ausschusses. Ein Maestro lernt weit mehr als zehn Jahre, bevor er eine Mannschaft führt. Ein einziger Kelch kann drei Menschen eine halbe Stunde oder länger beschäftigen; ein Kronleuchter braucht Tage am Ofen und weitere Tage für die Montage. Die Öfen brennen rund um die Uhr mit Gas. Farben wie Rubinrot brauchen Gold. Und nicht jedes Stück übersteht den Weg: Glas, das im Kühlofen reißt, wandert zurück in den Schmelztiegel.
Trotzdem ist Muranoglas nicht nur etwas für Sammler. Ein Paar handgefertigte Glasohrringe kostet einige Dutzend Euro, eine kleine Vase oder Skulptur einige Hundert, ein großer Kronleuchter mehrere Tausend. Was es nie gibt, ist ein „Murano“-Kronleuchter zum Preis einer Fabriklampe.
Ist Muranoglas wertvoll?
Es kann wertvoll sein, und das hängt von vier Dingen ab: wer es gemacht hat, wann, wie gut und in welchem Zustand es ist. Seltene Stücke der großen Häuser aus der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, etwa von Venini, Barovier & Toso und Seguso, haben auf Auktionen Zehntausende Euro und mehr erzielt. Ein gut gemachtes zeitgenössisches Stück behält seinen Wert als handgefertigter Gegenstand mit bekannter Herkunft. Ein in Serie gefertigtes Souvenir, echt oder nicht, hat kaum Wiederverkaufswert.
Wir würden nicht dazu raten, Glas als Geldanlage zu kaufen. Kaufen Sie ein Stück, weil Sie damit leben möchten, und bewahren Sie die Unterlagen auf. Wenn Sie der Markt interessiert, zeigt unser Artikel über Muranoglas als Investition, wofür Sammler bezahlen und warum.
Was heute aus Muranoglas gemacht wird
Die Insel stellt noch fast alles her, wofür sie bekannt ist:
- Kronleuchter und Leuchten, vom klassischen Rezzonico mit Blüten und Blättern bis zu zeitgenössischen Entwürfen.
- Vasen, Schalen und Tafelaufsätze aus geblasenem Glas.
- Skulpturen, massiv am Ofen gearbeitet.
- Schmuck: Perlen, einzeln an der Flamme gemacht und zu Ketten, Armbändern und Ohrringen aufgezogen.
- Kelche und Gläser, die älteste Spezialität von allen.
- Venezianische Spiegel mit Rahmen aus graviertem und aufgesetztem Glas.
Wie Sie wissen, ob es wirklich Muranoglas ist
Als „Murano“ wird weit mehr Glas verkauft, als die Insel je herstellen könnte. Vieles davon entsteht maschinell, weit weg von Italien. Ein echtes Stück zeigt die Hand, die es gemacht hat: einen Abriss unter dem Boden, Farbe, die durch das Glas geht, kleine Unterschiede von Stück zu Stück. Und es kommt mit einem Namen: der Glashütte, der Marke, einem Zertifikat, das sich prüfen lässt.
Unser Ratgeber Echtes Muranoglas erkennen nennt sieben Merkmale, die Sie selbst prüfen können, und unser Ratgeber zu Marken, Signaturen und Etiketten erklärt, was am Boden geschrieben, graviert oder aufgeklebt ist.
Häufige Fragen
Ist Muranoglas dasselbe wie venezianisches Glas?
In der Praxis ja. Venezianisches Glas wird seit 1291 auf Murano gemacht, beide Namen bezeichnen also dieselbe Tradition. „Venezianischer Stil“ dagegen meint meist Glas, das anderswo hergestellt wurde.
Ist Muranoglas Kristall?
Nein. Muranoglas ist ein Kalk-Natron-Glas und enthält kein Blei. Das klare Glas namens cristallo hat seinen Namen vom Bergkristall, dem es gleichen sollte.
Wird alles Muranoglas auf Murano hergestellt?
Alles echte ja. Der Name wird oft für Glas verwendet, das anderswo entsteht; deshalb haben die Glashütten der Insel eine geschützte Marke, Vetro Artistico® Murano, und deshalb nennt ein seriöser Verkäufer die Glashütte.
Zerbricht Muranoglas leicht?
Es ist Glas und zerbricht, wenn es fällt oder einen Stoß bekommt. Massive Skulpturen und dickwandige Vasen sind im Alltag robust; feine Kelche und die Blüten eines Kronleuchters brauchen eine behutsame Hand. Unser Pflegeratgeber erklärt, wie man sie reinigt und bewegt.
Wird Muranoglas heute noch hergestellt?
Ja. Auf der Insel arbeiten heute mehrere Dutzend Glashütten, einige geführt von Familien, die seit vielen Generationen Glas machen, daneben unabhängige Meister und Perlenmacherinnen.
Kann man die Glasmacher auf Murano besuchen?
Ja. Murano liegt etwa zehn Minuten mit dem Vaporetto von den Fondamente Nove in Venedig entfernt, mehrere Glashütten zeigen Vorführungen, und das Glasmuseum erzählt die Geschichte des Handwerks. Unser Ratgeber erklärt, wie man von Venedig nach Murano kommt.
Muranoglas, von der Insel zu Ihnen nach Hause
Wir verkaufen Glas von Glashütten auf Murano, und jedes Stück wird mit einem von uns ausgestellten Echtheitszertifikat geliefert, das die Glashütte, die Technik und eine online prüfbare Referenznummer verzeichnet. Entdecken Sie unsere Kollektionen aus Muranoglas.
Die Stimmungsfotos in diesem Artikel sind mit künstlicher Intelligenz erstellte Illustrationen; die Produktfotos zeigen echte Stücke aus unserer Kollektion.
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Jedes Stück wird von Meisterhandwerkern auf der Insel Murano, Venedig, geschaffen — und mit einem Echtheitszertifikat geliefert.
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